28. Kalenderwoche 2017

Die Woche begann nass und für den Sommer an den Abenden zu kalt. Ohne Jacke in die Stadt gehen fühlte sich unangenehm an.

Auch in dieser Woche residierte ich mal wieder in Halle / Saale, in einem Hotelzimmer im 4. Stock mit Dachterrasse. Nicht groß, nicht so schick, jedoch mit Blick über die Dächer der Stadt und auf die Hinterhöfe. Für einen Raucher ist das schon ein kleiner Luxus in Zeiten wie diesen.

Kulturell war ein Besuch in der Moritzburg geplant, denn dort im Burggraben spielt das Theater Apron zur Zeit eine Mediensatire mit dem Namen „Mord im MDR„. Burggraben bedeutet jedoch auch Open Air und die Vorstellung dort mit den Mördern zusammen zwischen den Burgmauern eine Scholle zu teilen, wobei gleichzeitig von Petrus kühles Nass gereicht wird, gefiel mir gar nicht.

So kam es naturgemäß zum Sieg des inneren Schweinehundes, dem ich auch noch überschwänglich dazu gratulierte. Konnte ich doch jetzt meine Genusssucht ausleben. Dazu brauche ich nicht viel. Ein paar Trauben, Erdbeeren, Käse, Oliven, Wein und gutes Wetter. An dieser Stelle kam ich ins stocken, mit dem unangenehmen Gefühl, beobachtet zu werden.

Diese Ahnung wurde auf das Grausamste wahr. Knapp das alle Picknickutensilien auf dem Tisch der Terrasse platziert waren, grinste Petrus durch die dunklen Wolken und feuerte treffsicher den Regenguss gen Terrasse. Der windige Gesell pfeifte um meine Ohren und hätte beinahe die leckeren Früchte zunichte gemacht. So war ich gezwungen alles in das Innere zu bringen, um es dort geschützt neu anzurichten. Meine ausgestreckte Zunge bestrafte Petrus mit einem Schwall Wasser.

Am Tage trieb ich mein Unwesen in Halle-Peißen, Hohenirxleben, Weißenfels, Magedurg und Merseburg. Unterwegs nach Hause, fand ich wieder im Bereich der Anschlußstelle  der A 71 Heldrungen ein Sonnenblumenfeld, welches jedoch nur von der Hauptfahrbahn zu sehen ist. Das ist eine Augenweide!

Der Freitag begann mit einer seit Wochen ausgefallen Massage der Wirbelsäule. Dem Physiotherapeut wurde ein Knochen des Fußes beim Fußball gebrochen. Jetzt kam er zwar mit Klumpfuß, aber mit ausgeruhten Händen. Im Anschluss Bürotag. Etzend und sehr anstrengend. Und doch war ich froh, nicht noch den Samstag daran hängen zu müssen. Denn das ist der Tag den ich richtig genieße.

Markttag. Kaufen was das Herz begehrt. Welcher Mann kann das schon so genießen wie ich. Es gab Sauerkirschen und alle Früchte die man im Sommer in deutschen Lande erntet. Das Beste für den Rumtopf! Jammerschade. In diesem Jahr setze ich keinen Rumtopf an. Denn von den 2 im letzten Jahr angesetzten Rumtöpfen, ist einer noch gar nicht angerührt, dafür aber oberlecker.

Auf anraten meines Freundes kaufte ich 2 Kilo Sauerkirschen und ertränkte sie in einer Flasche Primasprit und einer Flasche Korn. Alles schön mit braunen Zucker garniert, in der Hoffnung einen guten Likör für die Weihnachtszeit zu haben.

Der Abend wurde mit einer zünftigen Bratwurst auf dem Grill eingeleitet und mit den Nachbarn haben wir den Sternenhimmel ausgewertet.

Nach der Völlerei vom Samstag, fiel erst einmal das Frühstück aus. Die Rouladen mit Klößen waren der Höhepunkt des Tages. Am Nachmittag stromerten wir durch Erfurt und ließen es uns gut gehen.

Kultur und Halle …

… gehört irgendwie zusammen. Jedenfalls für mich. Und ja, ich gebe gern zu, die Tatsache dass ich im Hotel übernachte und Kurzweil suche, motiviert mich sehr das Kulturangebot vor Ort anzunehmen. Nirgendwo in Sachsen-Anhalt ist das leichter wie in Halle. Das Angebot ist enorm.

Heute Abend war ich wieder im neuen Theater zu einem Liederabend mit dem Motto: „Schon wieder nass! – Ein Piraten-Liederabend“

Der Theaterhof war voll, die Stimmung lustig. Das gefällt mir gut und macht Laune noch mehr davon zu genießen. Mit einfachen Mitteln wird hier in Halle Freude und Lebenslust verströmt.

Nächste Woche werde ich auch wieder hier sein. Mal sehen was dann auf dem Programm steht. Jedenfalls am Abend.

Neben der Arbeit gibt es auch Momente, wie hier im Südharz, an denen der Stress abfällt. Die Schönheit unserer Heimat, wenn man sie sehen kann.

Schauen wir hin.

Ein melodischer Abend

Der Hallesche Jazzer Conny Bauer ist ein Meister der melodischen Improvisation auf der Posaune und dem Publikum des neuen theaters sicher nicht erst durch sein Mitwirken bei der »Stunde der Komödianten« ein Begriff. Nun feiert er einen runden Geburtstag mit einem Konzert bei uns. »Der gelbe Klang« ist inspiriert von der Experimentierfreude und Modernität Wassily Kandinskys, der seinem ersten Bühnenwerk diesen Titel gab. Conny Bauers gleichnamige CD erreichte einen Platz auf der Bestenliste des Preises der Deutschen Schallplattenkritik in der Kategorie »Grenzgänge«.

Zitat: https://www.halle365.de/veranstaltung/der-gelbe-klang-neue-improvisationen?time=2017-07-04T19%3A30%3A00

Conny Bauer feierte heute seinen 74. Geburtstag mit uns. Zweimal 45 Minuten bließ er die Posaune mit Power die einem 30 jährigen Ehre machen würde.

Heute hatte ich wieder mal so einen kulturellen Tag in Halle /Saale, wie ich es mag. Der Kalk rieselt vom Kopf, ein herrliches, freies Gefühl nimmt Besitz in mir und die Leichtigkeit kommt so langsam in mein Hirn.

Ich möchte noch viele solche Tage haben!

 

Eine adlige Pflanze

Die Schuldfrage habe ich schon geklärt. Es ist ohne Frage eine Frau aus dem sächsischen Osten gewesen, die mich auf komische Gedanken brachte. Nicht nur weil sie ein Avocadocreme-Rezept bloggte, welches ich natürlich auch gleich ausprobieren musste, sondern weil dann irgendwann auch noch eine Anleitung für die Zucht der Avocadopflanze folgte.

Seitdem verbrauche ich mindestens eine Avocadofrucht in der Woche und erfreue mich jedes mal über  den so schönen, runden und handschmiegsamen Kern. Es kam also was kommen musste, ein Kern hatte die Pflicht, mir eine Pflanze zu schenken.

Seit Wochen steht ein rundes Ei erst im Wasser und dann in der satten Erde. Der Keimling spaltete sich in der Mitte und so langsam kroch ein kleiner Stängel hervor.

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Entscheidend war natürlich meine gute Pflege und die Aufmerksamkeit für das junge Pflänzchen. Ab und an mal gegossen und mit der Gabel die Oberfläche der Erde umgegraben. So konnte sich die Wurzel besser entwickeln.

Jetzt ist der Stängel gut 30 Zentimeter groß und trägt auch ein paar glänzende Blätter. Es stellt sich nun die Frage für einen angemessenen Namen.

Heißt es die Avocadopflanze? Oder wird es ein Avocadobusch? Oder sogar ein Avocadobaum? Also weiblich oder gar männlich?

Ganz klar und nicht zu leugnen ist die Tatsache zum woher. Natürlich „von Männe“! Dieser wunderschöne Stängel eines Avocadokerns ist adlig. „Von Männe“

Ach ja, die Avocadocreme ist übrigens wunderbar. Danke Arabella.

 

Tag der offenen Tür …

… im Steigerwaldstadion von Erfurt.

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Fußball ist die schönste Nebensache der Welt, wird behauptet. Für mich gilt dass jedenfalls nicht. Im Grunde ist mir Fußball völlig schnuppe. Verstehen wie man sich gegenseitig in die Schienbeine kloppt, mit harten Stolpen den Gegner tritt, kann ich nicht.  Scheint ja auch Ansichtssache zu sein.

Und doch kommt bei mir der Lokalpatriot durch, wenn die Erfurter Dritt-Liga Mannschaft Rot-Weiß, finanzielle und sportliche Probleme hat, die dritte Liga zu halten.

Seit 2015 wird das Stadion der Rot-Weißen zu einer Multifunktionsarena umgebaut. Das sehr umstrittene Bauvorhaben ist vorerst abgeschlossen. Auf den Umbau der West-Tribüne wurde aus finanziellen Gründen bislang verzichtet.  Kurz vor dem Beginn der Deutschen Leichtathletikmeisterschaften in Erfurt, stand das „Neue“ Stadion nun zur Besichtigung für Interessierte offen. Diese Gelegenheit die Neugier zu befriedigen, wurde von vielen Erfurtern genutzt.

Von Außen ähnelt das Stadion einer Investruine. Der nackte, graue Beton, mit dem Charme einer Autobahn, stößt einfach ab. Eine multifunktionale Sport- und Veranstaltungsarena stelle ich mir bunt und anziehend vor.

Ein Wahrzeichen der alten, mitteldeutschen Kampfbahn war das Marathontor. Es bestand aus einem Mittelbau mit drei rundbogigen Toren und zwei symmetrisch dazu angelegten Seitenflügeln. Nun steht an dieser Stelle das neue Funktionsgebäude, mit Kongresssaal für 2000 Personen und Mannschaftskabinen und weiteren Räumen. Aus meiner Sicht hätte man das Marathontor als Denkmal einbeziehen sollen.

Im Inneren des Gebäudes wird man von hellem Licht empfangen, welches die Funktionalität und Schlichtheit der Räume strahlen lässt.  Der angebotene Rundgang durch die Räume und Tribünen war gut organisiert.

Auf das Fußballfeld und die gerade sanierte Tartanbahn war der Zugang versperrt, die Vorbereitungen für die Leichtathletikmeisterschaften sind im vollen Gange. Einen direkten Vergleich zu dem Zustand vor der Sanierung habe ich nicht. 1974-75 arbeitete ich Samstags bei Spielen als Ordner und verdiente damit 12 DDR-Mark, die für einen zünftigen Discoabend völlig ausreichend waren. Später, Ende der 90er Jahre war ich dort zur Leichtathletikwettkämpfen als Zuschauer.

In diesem Stadion könnte auch eine Erst-Liga-Mannschafft spielen. Wir sind jedoch schon mal mit dem Verbleib unserer Rot-Weißen in der dritten Liga zufrieden.

 

Krämerbrückenfest 2017

Seit 1973 nenne ich Erfurt meine Heimat. Seit 1975 gibt es das Krämerbrückenfest als kulturellen Höhepunkt in meiner Stadt. Erstaunt wird mir bewusst, wie sehr mir Erfurt an das Herz gewachsen ist, in den nun schon 44 Jahren die ich hier lebe. Nicht nur weil mein Leben vor Erfurt, durch 2 jährige Umzüge geprägt wurde, ganz besonders weil die Stadt sich mit den hier lebenden Menschen sehr angenehm verändert hat und sich wohl anfühlt.

In den Einträgen meines Blogs kommt die Begeisterung für Erfurt sicher zum Ausdruck. Hier ist die Vielfalt zu Hause. An jeder Ecke ist es heimisch, kann man sich nieder lassen, schwatzen, schauen, lästern und die Seele baumeln lassen.

Wie der Name „Krämerbrückenfest“ schon sagt, ist die Krämerbrücke das Herzstück der Festspiele in der Altstadt. Im großen Bogen um diese alte, bebaute Brücke, finden auf großen und vielen kleinen Bühnen, Konzerte und Schauspiele ihr Publikum. Für jeden Geschmack ist gesorgt.

 

Die ganze Vielfalt kann man hier einsehen: http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/veranstaltungen/feste/116073#slot_100_15

Wir haben das Fest sehr genießen dürfen, auch wenn wir das gleichzeitig laufende Grillfest unserer Nachbarschaft ausgeschlagen haben. Beim nächsten Mal sind wir gern wieder dabei.

Einen Wermutstropfen musste ich dann doch hin nehmen. Der Kreiselmann war zu meiner Bestürzung in diesem Jahr nicht in Erfurt. Seine genialen Kreisel aus dem Land der Sachsen, fehlen mir schmerzlich! Doch wenn der Berg nicht zum Prophet kommt, dann kommt der Prophet eben zum Berg!

Und ja, dieser Künstler ist nicht mehr unter uns. Seine Kunst hat er jedoch vererbt. In diesen Jahr fehlten viele derartige Künstler beim Krämerbrückenfest. War es nur dem Bau der Brücken vor dem Wenigenmarkt geschuldet? Oder greift die Angst vor Anschlägen der Muslime jetzt in die Feste ein? Strassensperren und Polizisten mit Maschinenpistolen sind für die Sicherheit unserer Vergnügen eingesetzt. Können wir uns daran gewöhnen? …

Blick aus Osten über Erfurt

Gestern auf der Fahrt nach Hause fiehl mir das tiefe Rot inmitten der satten Felder auf. Meine heutige Suche danach, brachte mich zu einem Landstrich, den ich noch nicht betreten habe. Der Blick von dem Hügel auf Erfurt ist wunderschön.

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Klatschmohn und auch Kornblumen auf Felder wachsen nur auf gesunden Boden. Diese Farben schmeicheln dem Augenlicht.

 

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