Wenn ich schon mal Bahn fahre …

… !!! Nach Eberswalde-Finow stand heute auf dem Plan. Weil am Vormittag aus der Mongolei ein paar Fachleute kommen wollten, denen ich in der Firma die Weiterverarbeitung der erfassten Strassendaten zeigen wollte, buchte ich eine Bahnfahrt. Nun bekamen die Mongolen aber nicht rechtzeitig ein gültiges Visum, ich hätte also Zeit gehabt, schön in Ruhe mit dem Auto zu fahren. Die Bahnfahrkarte hatte ich schon, nun wollte ich es auch so machen.

Es hat so schön gemütlich angefangen. Gegen Mittag packte ich meine Tasche und ging zu Fuß, schön in Ruhe zum Bahnhof. Hey … dann kam der Gedanke an die kleinen aber notwendigen Pillen. Sie hatte ich schon am Tag zuvor in meiner Schultertasche deponiert. Ich entschloss mich jedoch nur eine Tasche mitzunehmen, wobei die kleinen Dinger übersehen wurden. Meine Güte! Weg war die gemütliche Stimmung.

Ich schnappte mir ein Taxi und fuhr zurück in die Wohnung. Kurze Zeit später war ich wieder am Bahnhof und hatte noch gut 20 Minuten Zeit bis zur Abfahrt des ICE. Im Grunde hätte ich jedoch in Ruhe noch einmal nach Hause laufen können. Denn der ICE hatte 50 Minuten Verspätung.

Doch dann ging alles geregelt. Der gebuchte Sitzplatz war noch frei, obwohl der Zug aus München kam. Ich hatte zwar keine Gelegenheit noch ein bisschen zu arbeiten, wie ich es mir vorgenommen hatte. Nebenan saß ein Mann der nichts sagte und sich nicht wohl fühlte. Gegenüber saß eine junge gewaltige und schöne Mutter mit ihrer Tochter, die keine Ruhe zuließ. Meine Blicke wanderten im Abteil rum. Es wurde nicht langweilig. Links saß ein Schweizer Ehepaar die sich laut unterhielten. Schon der Dialekt ist für mich anziehend.

Dann waren wir in Berlin. Am Hauptbahnhof stiegen die meisten Fahrgäste aus. Wenige fuhren bis zur Endstation Gesundbrunnen, wie ich. Dort wartete ich auf die S-Bahn nach Bernau. („Zickenschulze aus Bernau … nahm sich schon die vierte Frau.“) Dieses Lied ging mir nicht aus dem Sinn, bis die S-Bahn da war. Dort stand man wie die Heringe. Alle wollten zu dieser Zeit aus Berlin in die Heimat fahren. Mürrische Gesichter, Handys in 3/4 aller Hände. Für mich jedoch auch wieder ein Studie des Alltags, wie ich ihn nicht kenne.

In Bernau nahm ich einen Doppelstockzug nach Eberswalde. Auch dieser Zug war voll. Trotzdem mussten nur wenige Fahrgäste stehen. Die Leute kennen sich dort und unterhalten sich. Das war in der S-Bahn nicht so. Nach gut 13 Minuten Fahrt kam ich in Eberswalde an.

Im Taxi verlangte ich von der netten Fahrerin mir mein morgiges Ziel zu zeigen und dann zum Hotel zu fahren. Hier fährt ein O-Bus zum Markt, was Morgen mein Ziel ist. Ich werde wohl trotzdem ein Taxi nehmen.

Unter dem Hotel ist ein Dönerbistro von der guten Sorte. Hier riecht nichts nach Essen und die Sauberkeit wird groß geschrieben.

Unter dem Strich stelle ich ein fast stressfreies Reisen mit der Bahn fest. Klar, ich bin nicht so flexibel. Eine Stunde Verspätung kann auch zum Stress werden. Ich war mit der Bahn nicht langsamer wie mit dem Auto. Keine 4 Stunden war ich unterwegs. Das ist auf der Autobahn kaum möglich.

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Wegen der Hitze gestern …

… hatte ich gute 32 Grad im Dienstzimmer, trotz Ventilator. Kein Wunder, denn das Backsteingebäude steht mit 3 Doppelfenster in meinen Zimmer, im direkten Süden. Schon wenn ich am Morgen komme, knallt die Sonne direkt darauf. Gegen 14:00 Uhr hab ich es nicht mehr ausgehalten. Deshalb  verzog mich in den Steigerwald. Nicht dass es dort kalt war, aber 3-4 Grad angenehmer war es schon.

Selbst im Wald war es menschenleer. Im Steiger gibt es einen Weiher, ein kleines Stillgewässer als Lebensraum für Tiere. Dort wimmelt es von Insekten und Fröschen. Ob es darin auch noch Fische gibt, kann man nicht mehr feststellen, denn das Wasser ist von Entengrütze (kleine Wasserlinse) übersät.

Und weil ich mir eine neue Kamera kaufen musste, habe ich sie auch gleich ausprobiert. Es ist der direkte Nachfolger meiner bisherigen Kamera Panasonic DCM-tz41, eine Panasonic DCM tz71.

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  • 30x optischer Zoom (KB: 24-700mm) und hochwertiges 24mm LEICA DC Weitwinkel Objektiv
  • Neuer, hochempfindlicher 12.1MP Sensor für gestochen scharfe Bilder
  • Mulitfunktions-Objektivring für die Steuerung von Blende, Verschlusszeit, ISO, Filter und Fokus
  • 50p Full HD Video mit konstantem AF, optischem Zoom & Stereo-Mikrofon

Sie ist natürlich schon wieder ein wenig größer und schwerer als der Vorgänger. Aber auch leichter in der Bedienung und Handhabung. Bei dieser Variante ist auch ein Sucher eingebaut, den man auf die persönliche Sehstärke einstellen kann. Mit dem Objektivring fällt das Zoomen leichter, was ich bisher bei den Kompaktkameras noch nicht gesehen habe.

Meine Bilder werden also ab jetzt bunter, gestochen scharf und nah am Geschehen sein, wenn es Datenschutz erlaubt.

Radtour Saale – Elbe

Donnerstag den 30.05.2019 (Himmelfahrt)

Es war wie der Wirt gesagt hatte. Im Frühstücksraum stand das vorbereitete Frühstück. Auf dem Teller lag ein Zettel, „die Wurstplatte steht im Kühlschrank“.  Mein Blick kreiste im Zimmer und erspähte einen kleinen Kühlwürfel. Darin fand ich einen gut gefüllten Teller mit Wurst und Käse. Auf dem Würfel stand eine Kaffeemaschine, fertig zum Anstellen.

Ich klappte den Schalter rum und ging auf dem Hof, mein Rad zu prüfen. Dann konnte ich nach Herzenslust und ungestört essen. Sie hatten genug für den ganzen Tag aufgefahren. So bediente ich mich und füllte meinen Vorrat auf. Dann noch Taschen packen, Rad aus dem Hof holen und Schlüssel an das Schlüsselschild hängen. Tür von außen zu ziehen, aufsitzen und los.

Kurz danach genoss ich die Fahrt durch die grüne Landschaft am rechten Ufer der Saale nach Nienburg. Kaum ein Radler oder Fußgänger störte. Ich konnte äußerst entspannt meine Seele baumeln lassen.

An Nienburg rechts vorbei ging es auf dem Radweg entlang der Straße Richtung Wedlitz. Dort in der Wallachei steht ein Hotel, indem ich vor Urzeiten mit meinen Männern übernachtete. Für uns war es damals eine gute Unterkunft, weil wir mit Transporter und Hänger Platz hatten. Nach der Wende gab es wenig Unterkünfte mit solchen Parkplätzen. Damals hatten wir andere Probleme wie jetzt. Heute zieh ich die Innenstädte vor.

Dann wurde es ländlich. Hinter Tippelskirchen ging es entlang von wenig befahrenen Kreis und Landstraßen zur Elbe. Groß Rosenburg ist ein kleines Nest im Delta Saale – Elbe. Mit meiner Frau habe ich vor vielen Jahren in Klein Rosenburg, einer kleinen Pension übernachtet, wo viele Bienen im Frühstücksraum am Boden lagen. Das vergisst sie nie. Bienen und Wespen sind für sie noch heute der Horror.

Ich verlasse den Radweg fahre eine Landstraße zur Elbfähre nach Breitenhagen. An der Fährstation steht ein aufgebocktes Fahrgastschiff, welches jetzt als Gastraum dient und am Elbufer einem Biergarten Platz macht. Hier wurden für die Himmelfahrtsbesucher Biertische und Zelte aufgestellt, Musik gedudelte und das Bier sprudelte. Es war vielleicht so gegen 12 Uhr, die Sonne brannte und im Verhältnis der Bänke waren so 30 % der erwarteten Besucher gekommen.

Ich hatte keine Lust auf das Getrubel, fuhr mit der Fähre rüber nach Tochheim und bediente mich der Vorräte, die der Wirt in Bernburg für mich hinterlassen hatte.

Ab dann begann für mich eine sehr unangenehme Fahrt auf dem Elberadweg. Erst ging es durch den Wald über einen getrennten Radweg mit einer Fahrspur von ca. 80 cm Beton, daneben unbefestigt und dann wieder 80 cm Beton. Unterwegs waren 2/3 Drittel Frauen, die unbedingt und manchmal zu dritt nebeneinander fahren mussten, weil schwatzen eben notwendig ist. Ein Vorbeikommen war kaum möglich.

An vielen Stellen versammelten sie sich in Rudeln und tranken den wenigen Männern einen Willkommensgruß zu, was mich zur schnellen Weiterfahrt zwang. Dort auch nur eine Stelle zu finden, in Ruhe mal zu pinkeln, war schlicht und einfach unmöglich.

Ich sah halt zu, schnell aus dem Dickicht heraus zu kommen um über Steutz, zur Fähre Aken zu kommen. Dort hatte ich eine Begegnung der „dritten Art“. Ein Radler stellte sich neben mich, mit seinem Rennrad, einen kleinen Rucksack auf dem Rücken und mit spärlicher Bekleidung. Etwas mehr wie mit einer Dreieckbadehose bekleidet und einem buntem Feinripphemd. Lächerlich eigentlich. Der Hintern war rot wie bei einem Pavian.

Er: „Kostet die Fähre etwas?“

Ich: „Ja klar. Es kostet 1,50 €“

Er: „Wo ist die nächste Brücke hier?“

Ich: „Keine Ahnung! Rechts von uns ist eine Karte.“

Wir staksten dahin und betrachteten die Karte. Er zeigte mir woher er kam. Aus Magdeburg, er  war auf dem Weg über Köthen um wieder nach Magdeburg zu fahren. Rund 110 km. Eine Brücke war nicht eingezeichnet, es war eben der Elberadweg. Es war auch wie bei mir der erste Ritt auf dem Rad in diesem Jahr.

Er hatte kein Geld einpackt. Ich spendierte dem komischen Kerl, mit einem Tatsch zum „anderen Ufer“ die 1,50 €, zur ungehinderten Weiterfahrt und wollte dann nur meine Ruhe. Auf der Fähre brachte er dann aus seinem Rucksack eine Reihe von Obst hervor, mit dem er mich entschädigen wollte. Ich war aber gut versorgt.

Ergo: Auch wenn man allein fahren will und sich um nichts weiter kümmern will, als um sich selbst, muss man sich doch hüten. Das habe ich schon bei so vielen Radtouren erfahren müssen. Ich denke nur an Heinz auf den Donauradweg.

Am anderen Ufer der Elbe bekam ich eine leckere Thüringer Bratwurst aus Apolda. Das war eine gelungene Überraschung!

Aus Aken heraus ging der Radweg einer Landstraße entlang nach Dessau. Hier änderte ich meinen Plan. Ich war einfach nur genervt und hatte keine Lust mehr den Elberadweg weiter zu fahren. Denn der Freitag war ja ein Brückentag, den die Mädels zum blockieren des Radwegs nutzen können. Ich wollte nicht mehr!

Am Hauptbahnhof angekommen, sagte ich der Dame an der Auskunft, ich wolle mit dem Rad und per Zug  nach Erfurt fahren.

Sie: „Wissen sie wie viele Fahrgäste heute schon mit dem Rad nicht mitgekommen sind?“

Ich: „Wo kann ich denn übernachten?“

Sie: Ne jetzt wirklich, wollen sie wirklich hierbleiben?“

Jetzt musste ich doch schmunzeln. Ja klar würde ich in Dessau bleiben und am nächsten Tag, ganz in Ruhe nach Hause fahren.

Aber sie zeigte mir einen Weg, mit dem ich möglicherweise dennoch mit dem Rad im Gepäck nach Erfurt kommen könnte. Er war dann ganz einfach. Von Dessau musste ich nach Magdeburg fahren. Im Zug ein Ticket kaufen, was gar nicht so einfach war. Vor mir waren drei junge Männer die auch ein Ticket kaufen wollten. Doch der Automat spinnt. Er fraß 30 Euro und hängte sich auf. Ich ging zur Schaffnerin, die mich beruhigen wollte, denn der Automat sollte gleich wieder funktionieren. Machte er aber nicht. Die Jungs wurden unruhig.

Der Automat startete erneut. „Window XP“! Eine Schande! Dann wollte die Schaffnerin analog abkassieren. Die Jungs waren auf 180! 30 Euro waren schon im Automaten und weg. Erst als ich der Dame erklärte, dass die Jungs schon 30 € dort versenkt hatten, lenkte sie ein. Im Zug fuhr auch eine junge Dame mit, die mir sehr bekannt vorkam. Später stellte sich heraus, dass ich diese junge Frau schon aus den Kindergartenalter kannte. Sie beäugte auch mich, welch Zufall.

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In Magdeburg angekommen hatte ich noch viel Zeit um mich im Zug nach Erfurt einzurichten. Alles verlief nach Plan und ohne Probleme. 

Im nächsten Jahr werde ich mir eine andere Woche für meine Radtour aussuchen. Sollen doch die Weibsen Muttertag, Frauentag und Himmelfahrt für sich beanspruchen.

Davor:

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Radtour Saale

Mittwoch den 29.05.2019

Meine Tour sollte von Halle nach Bernburg gehen. Viel weiter konnte ich nicht fahren, denn nach Bernburg sind die Unterkünfte nicht reich gesät.

In der Nacht zum Mittwoch hatte es geregnet, deshalb war es am Morgen auch saukalt. Das Rad hatte ich auf den Hinterhof des Hotels abgestellt und somit wurde es gebadet. Schon beim Anfahren meckerte das Rad mit mir, denn die Kette wollte geschmiert werden. Nun denn, was tut Mann nicht für die Harmonie.

Dann hatte ich mit dem Radverkehr in Halle zu tun. Man bemerkt schon, welche Radfahrer jeden Tag durch das Gewimmel der Stadt müssen. Sie fahren teilweise rücksichtslos, nutzen die Gehwege auch wenn es Radfahrstreifen gibt, Vorfahrtsregeln sind offensichtlich nichtig und die Sicherheit vor allem der Fußgänger ist völlig egal. Durch meine Packtaschen am Hinterrad, fährt sich mein Rad vergleichsweise wie ein LKW, gerade beim Anfahren. Und Stadtverkehr bedeutet eben öfters halten und anfahren.

Den Vogel schoss ein junger Mann auf einem Rennrad ab. In der Nähe der Burg Giebichenstein überquerte ich die Saale und wechselte auf die linke Saaleseite. Am Ende der Brücke bog ich nach rechts, wo die Straße abwärts zur Saale führte. Dabei kommt Fahrt auf, denn Masse mal Beschleunigung … na Ihr wisst schon. Kurz bevor ich links abbiegen wollte, was ich auch anzeigte, schoss besagte Radler an mir vorbei und biegt vor mir scharf rechts ab. Wir hatten verdammtes Glück, denn ein Zusammenprall war fast nicht zu vermeiden. Der andere hat es wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Jetzt war ich froh dem Stadtverkehr in Halle entronnen zu sein. Nun schreibe ich hier schon eine Weile vom Mittwoch und bin immer noch in Halle.

Aber … eine Sache muss ich noch festhalten. Noch in Halle überquerte ich die Saale auf der Mansfelder Brücke und auf der Elisabethbrücke, kurz nachdem es rechts ab zur Peißnitzinsel geht. Dabei fuhr hinter mir eine junge Frau auf dem Rennrad, sie konnte offensichtlich nicht an mir vorbei. Es war nervig für uns Beide, also hielt ich an, um sie vorbei zu lassen. Sie war erst ein wenig ungläubig, dann schnallte sie ihr Glück und zog mit einem Danke vorbei. Sie hatte auf dem Rennrad einen grünen Lodenmantel und bunte Leggins an, auf dem Rücke trug sie einen Rucksack. Ich musste sowieso halten, denn eine Schar Kinder versperrte mir die Abfahrt ins Grüne. Deshalb hatte ich Zeit diese Frau auf dem Rad zu bestaunen. Der Aufzug war schon etwas seltsam.

Vorbei ging es am „Krug zum grünen Kranze“ (wem das noch was sagt), nach Kröllwitz und Lettin. In Lettin hatte ich vor ca. 15 Jahren mit meinem Freund G auf unserer Radtour Weimar – Hamburg einen gruseligen Abend. Das werden G und ich nicht vergessen.

An der Brachwitzer Fähre gelang die Überfahrt ohne nennenswerte Vorkommnisse. Doch dann begann eine Höllenfahrt über Holpergestein für meinen geschundenen Hintern. Trotz Salbe gegen Wundscheuern (ich nutze seit Jahren „Ilon Protect“ dazu), sagte jetzt mein Po nur noch „AUA“.

Kurz vor Wettin, hinter Doblitz, gibt es eine Stelle an der Saale, die es erlaubt, von einem erhöhten Platz auf das Saaletal zu blicken. Das entschädigte mich, für die Strapazen am Gesäß ein wenig. Beim Betrachten der Saale entsteht der Eindruck, dass sich der Strom entgegen der Fließrichtung bewegt. Eine sinnliche Täuschung der Augen, die ich dort schon mehrmals beobachten konnte.

Im Wettin hoffte ich am Imbiss an der Fähre eine Pause machen zu können, doch leider ist der Laden dort geschlossen. Das bedauerte ich sehr. Ich musste zu meiner eisernen Reserve, bestehend aus Thüringer Salami und Laugenbrezel greifen. Richtung Rothenburg hoffte ich auf die Ausflugsgaststätte „Georgsburg“ um meine Nährstoffe aufzutanken.

Doch jetzt wird dort auch nur italienisch gekocht. Darauf hatte ich keinen Bock. Ich habe sowieso einen dicken Hals auf die italienischen Restaurants, weil sie alle möglichen Gasthöfe in Erfurt aufkaufen. Mafia in Thüringen. Bald gibt es kaum noch deutsche Küche. Hier müsste die Stadt lenkend eingreifen.

Durch Rothenburg ging es dann Richtung Alsleben. Hinter Mukrena überquerte ich die Saale über eine Brücke und gelangte an einen Nettomarkt, wo die Vorräte und auch Geld aufgefüllt wurden. Gleich neben den Markt gibt es eine kleine Gaststätte die zum Verweilen eingeladen hat. Ich konnte etwas „Kleines“ vertragen und bestellte ein Würzfleisch. Es sah schon nicht gut aus und schmeckte was das Auge sah. Mehlpampe mit Champignons mit einem undefinierbaren Fleisch, das schon mehr an Jagdwurst erinnerte. Beim Bezahlen sagte ich den Kellner wie es geschmeckt hat. Der zog die Brauen hoch und schüttelte mit dem Kopf sein Unverständnis wegen der Kritik.    Ach lassen wir das.  Gute Küche in Sachsen-Anhalt ist eben rar.

Die Tour ging weiter über Plötzkau, entlang der alten Saale. Dort leben Biber und Reiher mit all dem anderen Getier, das es nur so wimmelte. Als ich in Bernburg ankam, fuhr ich nicht die ausgeschilderte Route, sondern den direkten Weg zu „Reimanns Gasthaus“ an der Saale. Dort hat man einen herrlichen Blick auf das Schloss und dem Fluss. Am anderen Ufer sind Sportanlagen für Kanuten, die am Nachmittag ihre Trainingseinheiten absolvierten. Da könnte ich stundenlang sitzen und zu sehen.

Da meine Unterkunft im Gasthaus „Point Bernburg“ erst 17 Uhr Einlass bot, hatte ich die Zeit in Ruhe ein Bier zu trinken. Pünktlich 17 Uhr war ich dort. Aber auch eine Gruppe Rentner, die zum Kegeln und Abendessen angetreten sind.

Die Gaststube liegt am nördlichen Ortsausgang Bernburgs, das hatte fast schon ein bisschen Dorfcharakter. Ich war zwar der einzige Übernachtungsgast, doch die Gaststube füllte sich den Abend gut. Und hier bot die Küche sehr gute Qualität an.

Nachdem der Wirt abkassiert hatte, zeigte er wie ich am nächsten Tag mit vollen Bauch und gut versorgt, weiter fahren kann. Die Wirtsleute hatten keine Lust zu Himmelfahrt am Morgen, für mich Frühstück zu machen.

Davor:

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Radtour Unstrut-Saale

Dienstag den 28.05.2019
Morgens um 6 Uhr war die Nacht vorbei. Im Minutentakt fuhren große LKWs durch Freyburg zur Sektkellerei Rotkäppchen. Obwohl es eine Umgehungsstraße gibt, zwängen sich die riesigen Fahrzeuge durch die engen Altstadtgassen und rammen auch schon mal die Fassaden, wie mir die Wirtin erzählte. Weshalb sich die Stadt so etwas gefallen lässt, entzieht sich meiner Logik.

Das Frühstück war mehr als ausreichend, so dass ich gut gestärkt mein Tagesziel Halle an der Saale ansteuern konnte. Bis zur Mündung der Unstrut in die Saale, bei Naumburg am Blütengrund, hatte ich nur 5 km zu fahren. Hinter Großjena, am Tempelberg, kann man das steinerne Festbuch bestaunen.

Am Blütengrund angekommen wartete ich ein paar Minuten auf den Fährmann. Ich hätte auch noch ein paar Kilometer am rechten Ufer der Saale bis zur Henne fahren können und die dortige Brücke zu nutzen. Aber die kleine Fähre ist doch um ein Stückchen romantischer. Außerdem sieht man vom linken Ufer der Saale die schicken Weinberghäuser auf der anderen Seite viel besser.

Ab Schönburg verlief der Radweg sehr nahe der Saale. Es gibt aber auch eine Siedlung an der Saale, die den Radweg sperrte. Ein Höckerschwan brütet dort und kann wohl sehr missliebig werden, wenn er sich gestört fühlt.

Bei Leißling suchte ich einen Rastplatz den es jetzt nicht mehr gibt. Dort gab es eine Fähre die jetzt durch eine Brücke ersetzt wurde. An dieser Stelle haben wir vor vielen Jahren mit der Tochter Nudelsuppe gekocht. Schade aber auch.

Dann kam Weißenfels. Eine schreckliche Stadt für mich! Aber das ist lange her. Am Eingang der Stadt geht es erst einmal hoch in eine Gartenkolonie, dann durch eine Siedlung die mittendrinn eine Serpentine für Räder bereithält. Mir kam ein Radler von unten entgegen der gerade noch die Bremsen fand, als er sah, dass er nicht an mir vorbeikommt.

An dieser Stelle muss ich mal feststellen, dass Mädels von Beginn der Geburt bis in das hohe Alter einfach nur schwierig sind. Schüttel! Und das hat nichts mit dem E-Biker zu tun.

In Weißenfels wird gerade das rechte Ufer der Saale umgebaut, deshalb gab es Umleitungen bis zum Kreisverkehr an der Saale. Dann wurde es wieder ruhig. Ich unterfahre die B 91 sehe wie man eine neue Unterführung der Bahn für Burgwerben baut. Mit Mitteln der EU wird dort eine Umlegung des Radweges geplant, um die Radler durch den Weinort zu führen.

Langsam wurde ich hungrig. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass man dort keinen Bissen bekommt. Also musste ich schnellstens nach Bad Dürrenberg fahren. Bis dahin fuhr ich durch Schkortleben, Großkorbetha und Goddulla immer durch die Saaleauen.

In Bad Dürrenberg nahm ich das Angebot im Alten Badehaus zum Mittagessen gern an. Endlich essen und ausruhen. Das tut gut. Dann ging es weiter über Kröllwitz und Leuna nach Merseburg. Von dort gibt es eine Straßenbahn nach Halle. Das hat mit mal eine Petra erzählt.

Jetzt jedoch wollte ich mit dem Rad nach Halle fahren. In Halle angekommen forderte ich das Hotel an, indem ich in letzter Zeit immer übernachte.

Es gibt dort kein Personal mehr die mich kennen. Egal. Gleich daneben gibt es eine Gaststube die eine gute Küche macht. Die Spätschicht. Dort konnte ich Milieustudien führen.

Davor:

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Unstrut von Sömmerda nach Freyburg

Montag den 27.05.2019

Gegen 9 Uhr kam ich auf die Reifen. Alles war gut, ausgeruht. Gut genährt und frische Muskeln.

Die ersten 10 Kilometer sind immer besten. Zwar zwickt am Anfang das Gesäß noch, doch dann genieße ich die Natur um mich herum, das Vogelgezwitscher, die Reiher am Fluss und manchmal auch die stakenden Störche auf der Wiese. Mein Körper kam mir ein Stück weit entgegen und stellte mehr Energie zur Verfügung. Doch jetzt meckerte das Rad. Der rechte Horngriff wollte die Last nicht tragen, die ich beim Anstieg auf das Horn verlagerte. Er gab einfach nach, so dass ich absteigen musste. Der Inbusschlüssel brachte das Teil aber schnell wieder an seinen Platz. Auch wenn meine Touren meist ohne Begleitung stattfinden, bin ich nicht allein. Rad, Körper und Geist bilden eine Einheit und müssen sich vertragen. Sonst wird es nichts.

Der Weg führte mich am rechten Ufer der Unstrut von Sömmerda nach Leubingen und Griefstedt. Kurzzeitig wurde der Radweg auf der linken Seite vom Fluss und  rechtsseitig von einer Bahnlinie begrenzt. Ab Griefstedt wurde der Weg auf einer Kreisstraße geführt. In Büchel an der Kirche machte ich meine erste Rast. 

Das hatte ich wieder gelernt, alle 10 km ist Pause. Wasser und ein Häppchen hilft ungemein das allgemeine Wohlbefinden zu erhalten. Jetzt kam der schönste Teil der Unstrut. Gorsleben und Heldrungen im Untruttal mit der sehenswerten Brücke bei Sachsenburg.

Bei Bretleben hatte ich ein paar Anstiege zu bewältigen, das war jedoch gut zu bewältigen. In Artern brauchte ich etwas zu essen. Gar nicht so einfach! Gastwirtschaften die willig waren sah ich nicht. Doch dann fand ich einen Fleischerimbiss, indem sich Handwerker ernährten. Dort bekam ich Nudeln mit Gulasch.

Das Wetter sah zwar aus als wolle gleich der Himmel weinen, dennoch blieb es konstant trüb. Ritteburg, Schönewerda, Roßleben bis zum Wendelstein. Die Burg Wendelstein nahm ich nicht. Dort war ich schon gut 3-mal.

Die Landesstraße nach Memleben ging ebenso gut. Dort baut man jetzt eine neue Brücke über die Unstrut zum Radweg und ich konnte noch die alte Brücke benutzen. Vom Memleben nach Wangen (das ist dort wo man die alte Himmelsscheibe gefunden hat) verläuft der Radweg durch eine wunderschöne Landschaft. Links die Felsen und Wiesen und rechts der Fluss und weiter die Straße, gezäumt von den Wäldern. Es ist herrlich dort zu fahren.

In Wangen kam ich auf die Straße, nahe der Eisenbahnstrecke. Dort stand ein Regionalzug, das Personal saß am Rastplatz für die Radler. Da war kein Platz mehr mich. Als ich dastand und überlegte wie es weiter geht, fragte der Zugführer ob er helfen könne. Das war mir zu blöd. Rast hätte ich ja gern gemacht, doch seine Leute hatten mich davon abgehalten. Also fuhr ich weiter nach Nebra. Das waren nun ca. 65 km und bis zu meinen Ziel Freyburg lagen noch 30 km zwischen uns.

Am Bahnhof standen schon 4 E-Bike-Radler und warteten auf die Regionalbahn. Spontan entschloss ich mich den Zug zu nehmen. Ich könnte hier einen Roman schreiben über das Verhalten der Herrschaften vor dem Zug und in Zug, wobei noch weitere 4 Herren mit E-Bike eine Rolle spielten.

Nachdem die Zugbegleiterin wie ein Feldwebel den Laden aufräumte, konnte ich als erster in Freyburg aussteigen. Vom Bahnhof fuhr ich zur Sektkellerei Rotkäppchen. Dort telefonierte ich nach einem Hotel in der Nähe. Eine Mutti gab mir bereitwillig ein Zimmer ab 18 Uhr. Alles gut! Am Markt nahm ich einen Kaffee und dann noch ein Bacchus, bis zum vereinbarten Termin am Hotel.

Dort empfang mich Mutti schon am Eingang und zeigte mir das Zimmer. Ich war der einzige Gast. Sie offerierte das es bis 20 Uhr Essen gibt, worauf ich antwortete, sie können getrost nach Hause gehen, weil es sich nicht lohne wegen eines Gasts zu warten, ich würde schon im Städtchen etwas zu Essen bekommen. Als ich frisch geduscht runterkam, war sie noch immer da. Also bestellte ich ein Steak und bekam ein leckeres Essen. Dann wurde geplauscht, getrunken und geraucht. Später kam noch ein älterer Herr dazu, mit dem man sich ebenfalls gut unterhalten konnte. Es war ein guter Abend in Freyburg!

Radtour 2019 Gera-Unstrut

Wahltag. Nach dem Anstehen zur Wahl kam ich erst so gegen 11:00 Uhr in die Puschen. Durch die Stadt Erfurt ging es entlang der Gera, mit vielen Baustellen wegen der Vorbereitungen zur BUGA 2021.

Ab Erfurt-Gispersleben hatte ich dann freie Bahn, für meinem Weg über Walschleben und Andisleben. Bei Ringleben-Gebesee traf ich auf den Unstrutradweg. Das waren so ca. 20 km.

Nach Sömmerda über Haßleben, Wernigshausen und Tunzenhausen fuhr ich im gestreckten Galopp. Man beachte die Veränderung der Ortsnamen. Rings um Erfurt kann man leben, dann muss man hausen.

Jedenfalls war die zügige Fahrt ein Zacken zu viel für die ungeübten Muskeln. Sie rächten sich gewaltig mit Krämpfen in den Oberschenkeln. Wie blöd von mir, die einfachsten Regeln zu missachten. Am Ratskeller in Sömmerda gab ich meinen Körper Spagetti, zur Beruhigung. Dann meckerten die Waden, so dass ich aufstehen musste. Ich gab nach und suchte eine Unterkunft. Das Hotel Ballhaus sagte zu.  Die nächste Unterkunft kam erst 30 km weiter. Das wollte ich dann eher nicht riskieren.

Sömmerda ist nicht sehr gastfreundlich, jedenfalls was die Gastronomie angeht und sonntags. Das einzige offene Restaurant ist der Ratskeller am Markt und wird von Kosovo-Albanern betrieben. Dort bekam ich die Spagetti. Das Personal setzte sich an den Nebentisch und lästerten über die Gäste. Sie gehen wohl davon aus, dass die Gäste sie nicht verstehen.

Nachdem ich mich im Hotel frisch gemacht hatte, war eine Runde laufen genau das Richtige um die Muskeln etwas zu lockern. Ich landete im Bistro an der Stadtmauer, die einzige Alternative zum Ratskeller. Kein gutes Lokal, aber deutsch und hier redeten die Gäste wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Wenn auch alle hier per Du sind, und etwas rau im Umgang miteinander.

Immer wieder befragten sie mich über Veranstaltungen in der nahen Landeshauptstadt. Sömmerda ist wohl ein langweiliges Pflaster für sie.

Als ich ins Hotel kam, waren noch 3 Frauen mit Rädern angekommen. Sie dachten wohl allein in der Unterkunft zu sein. Denn alle Türen waren geöffnet und die Damen liefen frisch geduscht, kaum bekleidet über den Flur und laberten. Das kam mir vor wie ein Kammerspiel. Meine Anwesenheit überraschte sie nur wenig, dennoch klappten die Türen alle drei wie im Takt zu.