Im Schachdorf Ströbeck

Hatte ich schon einmal über das Schachdorf Ströbeck bei Halberstadt geschrieben? Sicherlich wurde es irgendwann in meinem Blog erwähnt. Seit längerer Zeit schrieb ich nicht mehr hier im Blog, weil einfach der Antrieb dazu fehlt. Auch nicht über den Sommerurlaub am Ahrendsee und Werlsee, schon weil es zu dieser Zeit einfach zu warm war.

Zwischenzeitlich haben wir eine Teilsanierung zu Hause abgeschlossen und es ist mir gelungen meine Blogfreundin „Sternenschimmer“ wie im jedem Jahr zu besuchen. An sonsten lief nicht viel, aus besagten Umständen. Und diese Umstände zwingen mich bei meinen Reisen, gerade in Hotel`s, oft mit der Schutzmaske aufzutreten. Das ist nicht nur nervig, sondern es verhindert auch normale Kontakte zu knüpfen.

Also verlege ich mich gleich auf Ferienhäuser oder Wohnungen, in denen ich zwar meist allein bin, aber auch kein schlechtes Gewissen haben muss, wenn ich mich ungezwungen bewegen will.

Zur Zeit wohne ich in einer großzügigen Ferienwohnung in dem Schachdorf Ströbeck. Hier mal ein Zitat aus Wikipedia dazu: „Bekannt ist Ströbeck vor allem durch das Schachspiel, welches das Dorf prägt und weshalb der Ort seit 1991 offiziell die Bezeichnung Schachdorf Ströbeck trägt. Der Legende nach soll im Jahr 1011 ein adliger Gefangener des Halberstädter Bischofs (angeblich Gunzelin von Kuckenburg) seinen dortigen Bewachern das Spiel beigebracht haben.“

Nun wollte ich von meiner Vermieterin wissen wo Schach gespielt wird. Sie winkte ab. Es gäbe in der Grundschule zwar ein „Hauptfach“ Schach und einen Verein, aber so viel scheint nicht los zu sein. Auch den Besuch der Dorfkneipe konnte sie nicht empfehlen. Ich war enttäuscht!

Am Dienstag kam sie dennoch zu mir, denn Schwiemu hatte ihr gesteckt, dass am Abend ein Stammtisch im Kneipchen stattfindet. Ich also hin! Draussen stand schon mal, das es nichts zu essen gab. Nun ja … hätte ich eigentlich erwartet. Als ich brav mit Maske den Gastraum betrat, schauten mich 8 Augen an, als wäre ich direkt vom Mars gekommen. Schleunigst nahm ich den Fetzen von der Nase und fragte nach Bier. Nach Wein zu fragen traute ich mich erst gar nicht. So trank ich dann ein Bier am Nachbartisch und hörte den Gespächen der Eingeborenen zu. Dabei ging es meist ums Essen (alles was man nicht hat, ist interessant) und alten Geschichten. An der Wand hing ein historisches Schachbrett, sonst fand ich keine weiteren Hinweise auf diese Leidenschaft. Dann wurde ich aufgefordert mich an den Stammtisch zu setzen. Natürlich waren sie neugierig, wo ich denn herkomme, was ich hier mache und wo ich denn wohne. Das konnte ich ein wenig ausgemalt berichten und selbst Fragen stellen.

Am Stammtisch wurde ungezwungen geredet und eine Runde nach der anderen getrunken. Angesprochen auf Schach, wurde schon abgewiegelt. Das würde langsam einschlafen, aber einmal im Jahr veranstaltet der Verein ein Lebendschach auf dem Platz am Schachspiel. Zunehmend füllte sich der Gastraum auch mit Frauen aus dem Dorf. Dann wurde es lauter und so einige erzählten vom Lebendschach. Fast alle Anwesenden hatten eine angestammte Figur zu verkörpern mit der sie sich vorstellten. Die Kostüme hätten sie zu Hause und wenn das Spektakel beginnt, ist fast jeder Dorfbewohner zugegen. Dabei schwang schon ein wenig Begeisterung mit. Ein Herr am Stammtisch, er war ein Zugezogener, musste, bevor er seine Ströbecker Frau heiratete, mit dem Bürgermeister Schach spielen. Er berichtete das der Bürgermeister herausgeputzt war und ein schwere Kette um den Hals trug, die ihm als Schachmeister auswies. Er selbst hatte Prüfungsangst, Schweißausbrüche und Beklemmung dabei. Der Bürgermeister hatte wohl Mitleid mit ihm und bot ihn ein Remis an, das ihn sein Gesicht waren ließ.

STRÖBECK 24.05.2004 Blick auf ein Schachspiel auf dem “ Platz am Schachspiel “ im Schachdorf Ströbeck in Sachsen-Anhalt. // Chess game chess Ströbeck village in Saxony-Anhalt. Foto: Gerhard Launer

Zum Schluß verspachen sie mir, bei meinem nächsten Besuch am Stammtisch, Schach zu spielen.

16 Kommentare zu “Im Schachdorf Ströbeck

  1. Moin Manfred!
    Dieser Ort, das war wohl der Reinfall des Jahrhunderts.
    Wie sagt man so schön andere Länder/Orte andere Sitten. *grins*
    Kein Essen – was für eine komische Kneipe.
    Von Lebend Schachspielen habe ich schon gehört. Das kann für die Figuren ganz schön anstrengend sein.
    Das mit den Masken ist eine echte Plage. Mir will sich in keiner Weise erschließen was die Stofffetzen abhalten sollen. Die Viren passen da immer durch.

    LG lilo

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    • Moin Lilo,

      wie man es nimmt. Rein kulinarisch hast Du wohl recht. Der Wirt schlachtet selbst und verkauft die Produkte in seiner Schlachterei. Das … hat er aber erst nach dem dritten Bier erzählt und für mich eingeräumt, eine Besichtigung der Räucherei vorzunehmen. Das hat mir gefallen. Ich hätte trotzdem gern einen Happen gehabt. Es war dafür zu spät.
      Das mit dem Schach … in meiner Jugend, im Bergbau, habe ich sehr gern und auch ganz gut Schach gespielt.
      Eigentlich wollte ich ein wenig über die Schultern schauen, um wieder das Schachfieber zu erleben. Zum Schluß hatte ich das Gefühl, den Bedarf geweckt zu haben.
      Ansonsten war es ein angenehmer Abend der sich nicht zu lang anfühlte.

      LG Männe

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      • Früher habe ich auch Schach gespielt. Lang, lang ist es her. Mangels Spielpartner habe ich es wieder verlernt. Viele Spieler spielen im Internet und das machte mit keine Freude. Das Gegenüber fehlt, das Beobachten der Mimik. *lache*
        Schön wenn du wenigstens die Gelegenheit zum Einkaufen bekommen hast.
        Hab ein schönes entspanntes Wochenende.
        Liebe Grüße Lilo

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        • Zur Zeit habe ich sehr wenig Antrieb.
          Es ist alles festgezurrt. Kein Ortswechsel, kein Fasten im Kloster usw. Na ja, Du kennst es ja selbst.
          Dafür aber stundenlange GoToMeetings aus dem Büro und nach Feierabend immer die gleiche Frau. 😉
          Ich bin so froh jetzt keine schulpflichtige Kinder mehr zu haben.
          Du hast sicher immer den Kribbel um Werder Bremen, wenn Du auch vom Sofa zuschauen musst. 🙂

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          • Rauf aufs Radl und an die frische Luft.
            Fasten im Kloster kenne ich zwar nicht 🙂 🙂 … will ich auch gar nicht.

            Verstehe ich das jetzt richtig: Sonst war nach Feierabend Hulligulli? 🙂 🙂 Hoffentlich liest Sirode nicht mit, sonst begleitet sie Dich auf den „Dienstreisen“ 🙂 🙂

            Stimmt; schulpflichtige Kinder wären derzeit wohl nicht erträglich. Siehste, da haben wir doch Glück gehabt. Und die Straßen sind auch leerer, dazu lauter Bankräuber in den Straßen 🙂

            Werder von Sofa zuschauen? Ich habe kein Sky (oder wie immer das heißt), bin da also ganz entspannt, wenn ich Radio höre. Außerdem habe ich so auch Zeit für den Modellbau, weil jetzt auch, wie schnell Blumen mit Rotorblättern gekürzt werden können,

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